Home Pressearchiv Edo in der Presse: Karate-Kommandos mit Kiai-Kampfschreien

Im "Märkischen Markt" vom 15./16. März 2006 stand folgender Artikel über unseren Verein.:

Karate-Kommandos mit Kiai-Kampfschreien

Bernauer Sportverein auf bestem Weg vom Kyu zum schwarzen Dan

 Beginne nie mit Ni. Ethisch gesittete Japaner verneigen sich vor ererbter Etikette und stellen nach strengem „Reishiki" die strikte Achtung vorgegebener Rangordnungen niemals in Frage. Den Spagat zwischen Hochachtung und Unterwürfigkeit regelt ein ungeschriebenes Konvolut. Um nicht gleich eingangs einen peinlichen Fehler zu begehen, beginne ich also mit Ichi, das in der kruden Karate-Kommandosprache wie der Kasernenhofton eines preußischen Spießes klingt. Ichi wird „Itch" gesprochen und heißt eins. Ni bedeutet zwei und Go nicht etwa Gehen, sondern die Ziffer fünf.
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So beiläufig lernte ich Zählen auf Japanisch - ausgerechnet in der Bernauer Jahnsporthalle. Wenn in dieser Arena an Freitagabenden Kiai-Kampfschreie durch die Halle schrillen, Außenstehende streitwillige Drohgebärden weißgekleideter, barfüßiger Raubeine wittern, dann platzen nicht etwa bei ingrimmigen Raufbolden die Bizeps, nein - hier üben 20 gelenkige Kraftsportler des Vereins Karate Dojo EDO mentale Koordination, Konzentration nach den altjapanischen Ritualen der waffenlosen Selbstverteidigung.

Image Marco Wäger, ein durchtrainierter Athlet, amtiert als Vereinschef, hört aber diese „offiziöse Förmlichkeit" lieber im Klammersatz. Unter den Bernauer Karateka, die sich 1991 „Schlag auf Schlag" gründeten, fungiert Wäger als „Sensei", der Lehrherr, dessen schroffe Kommandos nach verbeugendem Begrüßungskult simultan nachvollzogen werden: Fertig, Absitzen, Meditieren, Anfangen. In der ostasiatischen Karatesprache hört sich dieser Ukas so an: Yoi - Seiza - Mokuso - Hajme! Gewöhnungsbedürftig, aber dergleichen spornten vor Jahrhunderten die japanischen Urväter der natürlichen „Kampfkunst per Hand-Arbeit" ihre Eleven in der Präfektur Okinawa an. Andere Quellen nennen auch China als Ur-Land dieser originären Verteidigungstechnik. Gleichwie, Ostasien war der Vor-Kämpfer. „Karate ist eines der wirksamsten Mittel disziplinierter Selbstbeherrschung. Es beansprucht fast sämtliche Körpermuskeln und fördert blitzschnelle Reaktionen", erläutert „Sensei" Wäger die Grundregeln im Umgang mit dem sportlichen Kontrahenten, die sich gefährlich und geschmeidig, robust und biegsam zugleich anschauen.

Neben mir auf der Bank weiht mich eine „hochdotierte Informantin" aus dem Bernauer Karate-Verein in die Spezies altasiatischer Formenzwänge ein: „Ichi-Ni-San-Shi-Go". Streit mit der 24-jährigen Nicole Genz wage keiner vom Zaun zu brechen. Mit legerem Handstreich würfe sie jeden schnöden Tunichtgut rückhalt-los auf die Matte. Kein Wunder. Der Shotokan-Verband SKID kürte die Bernauerin zur Deutschen Meisterin im Kumite-Karate. Respekt. Und Warnung an jeden, der sich ihr despektierlich nähert. Während im Hallenkarree weitere Anspornschreie gellen, erklärt mir die „gekrönte Kämpferin" wissenswerte Observanzen altjapanischer Gebote.

Die Doppelung aus den Wortstämmen „kara" für nackt und „te" für Hand.

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Marco Wäger
Oder die Handmond- und Katzenfußstellung bei Angriff und Gegenwehr. Und sie zählt alle farbigen Gürtel auf, die die Hierarchie der sportlichen „Siegzuwächse" ausdrücken: vom weißen Kyu für Karate-Novizen über gelb, grün, blau, braun bis hin zum Meistergrad, dem schwarzen Dan, wiederum in zehn Steigerungsstufen. Ein kampferprobter, steiler Weg. „Beförderungen" unterliegen strengen Examina, „... die wie bei einer Mathe-Klausur vom Gutbefinden des Bundestrainers Akio Nagai, Träger des achten Dans, abhängt", mahnt Karate-Champion Genz, selbstredend natürlich Trägerin des meisterlich schwarzen Gürtels. Selbstdisziplin geziemt, dass keiner spricht, keinen Schmuck trägt und keine so bedeutungsschweren „Fehlwürfe" fabriziert wie ich, der ungeniert hinter dem „Sensei"-Lehrer fotografiert. Böse Falle. Ich missachtete unwissend den gestrengen Kodex: Niemals hinterrücks am Meister vorbeischleichen! Übrigens distanzieren sich die Bernauer Vereinssportler vehement von jenen rüden Kraftprotzen in effektvollen Filmspektakeln, die mit einem Handhieb volltönend zehn Ziegelsteine per purer Hand durchdreschen. „Nicht mit uns", verabschiedet mich Nicole Genz, „wir könnten empfindliche Hiebe austeilen, aber wir zerstören nichts und schaden niemanden." Faire Sportsleute eben - und Schluss der Trainingsrunde: „Owari!" Ende.

 

 

Bildunterschriften: Schlagfertig beim „Karate-Duell". Der Bernauer Verein trainiert diese altjapanische Tradition der waffenlosen Selbstverteidigung seit 1991. Konzentrieren und blitzschnelles Reagieren auf die Absichten des fiktiven Angreifers gehören zu den Grundelementen. Körpergewandt führt der Bernauer „Sensei" die Gruppe zu beachtlichen sportlichen Leistungen. Karate-Lehrer ist der Vereinsvorsitzende Marco Wäger, Träger des schwarzen Dans (kleines Foto ganz rechts). Fotos: Tauscher

Autor: WOLFGANG TAUSCHER

 

Informationen:

Karate Dojo EDO e.V.
Marco Wäger
Tel.: 0171 / 504 89 81

Quelle: Märkischer Markt vom 15./16. März 2006